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Leistungsspektrum

Schlaganfall

Der akute Schlaganfall ist mit einer Häufigkeit von 700-750 neuen Patienten pro Tag in Deutschland die häufigste neurologische Erkrankung und einer der häufigsten Gründe für eine Notfallaufnahme im Krankenhaus. Der akute Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine lebenslange Behinderung oder Pflegebedürftigkeit, die zweithäufigste Ursache für einen geistigen Abbau und die dritthäufigste Todesursache in Deutschland mit 200-250 Todesfällen täglich. Hieraus erkennt man die enorm wichtige Bedeutung einer sofortigen und optimalen Versorgung der Betroffenen.

Hirninfarkt - Hirnblutung

Das Wichtigste für die effiziente Behandlung ist die rasche Erkennung möglicher Warnsymptome eines drohenden oder bereits abgelaufenen Schlaganfalles. Leider konnten die bisherigen Aufklärungskampagnen noch keine bevölkerungsweite Schärfung des Bewusstseins für diese Erkrankung erreichen, lediglich weniger als 20% der Bevölkerung kennen typische Kennzeichen eines akuten Schlaganfalles.

Was also sind typische Symptome eines Schlaganfalles:

1. Schmerzlose Lähmung einer Körperhälfte oder einer Extremität
2. Gesichtslähmung mit hängendem Mundwinkel
3. Gefühlsstörungen einer Körperhälfte, einer Extremität oder des Gesichtes
4. Sprach- oder Sprechstörungen
5. Sehstörungen
6. Schluckstörungen
7. Gleichgewichtsstörungen und Gangunsicherheit mit Fallneigung
8. Plötzlich einsetzender Schwindel
9. Plötzlicher Gedächtnisverlust
10. Plötzlich einsetzende heftigste Kopfschmerzen

Um den Patienten bestmöglich helfen zu können, darf keine Zeit verloren werden, denn TIME IS BRAIN - JEDE MINUTE ZÄHLT!

F-A-S-T Schnelltest:

Im englischen Sprach- und Lebensraum gilt als sicherer Test zur Feststellung eines Schlaganfalls der F-A-S-T (englisch für schnell).
Dieser Test kann auch von ungeübten Personen ausgeführt werden und bringt im Regelfall innerhalb weniger Sekunden eine sichere Diagnose.

F (face): um ein Lächeln bitten. Das Gesicht wir bei einer Lähmung einseitig verzogen.
A (arms): Arme nach vorne heben, Handflächen nach oben. Bei einer Lähmung können die Arme nicht gehoben werden, sinken oder drehen sich
S (speech): Einen einfachen Satz nachsprechen lassen. Ist die Sprache verwaschen oder undeutlich, handelt es sich um eine Lähmung.
T (time): Sofort 112 wählen

Was ist im Fall der Fälle zu tun:

  • Sofortiger Notruf (Telefon 110 oder 112)
  • Schnellstmöglicher Transport in nächste geeignete Klinik
  • Informationen bereithalten wie
    - Vorerkrankungen
    - Medikamente
    - Symptombeginn
    - evt. Angehörige mitbringen

Das Ausmaß des Schlaganfalles wächst jede Minute. Je später eine spezielle, blutverdünnende Therapie beginnt, umso größer wird das vom Schlaganfall unwiederbringlich zerstörte Hirnareal und damit auch die bleibenden Behinderungen.

Zunahme der Schlaganfallsausdehnung in der ersten Stunde

Zunahme der Schlaganfallausdehnung in den ersten Stunden (schematische Darstellung)

Die Folgen sind häufig große Gehirndefekte und entsprechend schwerwiegende Behinderungen bis hin zur vollständigen Pflegebedürftigkeit.

Seit einigen Jahren steht uns in der Behandlung des akuten Schlaganfalles eine hochwirksame und in der geübten Hand auch extrem effektive Therapie zur Auflösung der meist durch Blutgerinnsel verstopften Hirngefäße zur Verfügung, die so genannte LYSETHERAPIE! Diese ist jedoch an ein so genanntes "Zeitfenster" gebunden, d. h. man kann dieses Therapieverfahren nur binnen der ersten 4,5 Stunden nach Beginn der Symptomatik durchführen, da zu einem späteren Zeitpunkt die Komplikationen und Risiken den eigentlichen Nutzen wieder aufwiegen.

Als weitere Alternative, in ganz speziellen Situationen, besteht seit Anfang 2015, im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit mehrerer Abteilungen der Klinik, die Möglichkeit der sogenannten kathetergestützten topischen Lyse. Hierbei wird mit speziellen Kathetern, ähnlich der Behandlung des Herzinfarktes, das verschlossene Gefäß direkt an der Stelle, an der es verschlossen ist, wiedereröffnet.


Deshalb ist die wichtigste Voraussetzung für eine effektive Behandlung von Schlaganfallpatienten und die Vermeidung einer schweren körperlichen und/oder geistigen Behinderung der unverzügliche Beginn der (Lyse-) Therapie vorzugsweise unter Aufsicht eines Neurologen.

Die Versorgung von Schlaganfallpatienten wird an den Kreisklinken unter diesen Gesichtspunkten gestaltet. Besonderer Schwerpunkt und Vorteil unserer Behandlung ist die sofort beginnende Therapie auf unserer etablierten "Intermediate-Care-Unit" nach den neuesten Richtlinien der neurologischen Komplexbehandlung beim Schlaganfall und eine während des gesamten Aufenthaltes andauernde spezielle Rehabilitation, gegebenenfalls mit Weiterbehandlung in der angeschlossenen geriatrischen Rehabilitation im Hause.

So werden seit Entstehung der Neurologie im Jahre 2014 jährlich mehr als 550 Schlaganfallpatienten versorgt und mehr als 80 systemische Lysetherapien erfolgreich durchgeführt. Mit einer Lyserate von 22% liegen die Kreiskliniken deutlich über dem Bundesdurchschnitt von ca. 10-12 % und belegen damit eine ausgezeichnet funktionierende fachliche und logistische Kompetenz.

Botulinumtoxinambulanz

Zur Behandlung von Dystonien (unwillkürliche, anhaltende Muskelanspannungen der Gesichts-, Hals- und überwiegend Fingermuskulatur) und von spastischen Bewegungsstörungen nach z.B. Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma, hat sich schon seit längerer Zeit der Einsatz von Botulinumtoxin bewährt.
Hierbei wird das Zellgift Botulinumtoxin (in einer starken Verdünnung von z.B. milliardstel Gramm) direkt in den von der Dystonie oder Spastik betroffenen Muskel injiziert und hemmt damit die dauerhafte Anspannung dieses Muskels. Da an einer Bewegung in der Regel mehrere Muskeln beteiligt sind, führt die gezielte Behandlung eines Muskels zu keinen nennenswerten Einschränkungen im Alltag. Bei spastischen Bewegungsstörungen kommt es in der Regel zu einer Funktionsverbesserung, Schmerzreduktion und auch Pflegeerleichterung, bei schwer betroffenen Patienten.


Da der Wirkstoff vom Körper selbst wieder abgebaut wird, lässt die Wirkung meist nach 2-4 Monaten nach, so dass eine erneute Injektion notwendig ist.
Ein weiteres Einsatzgebiet von Botulinumtoxin ist seit einigen Jahren die chronische Migräne. Hierbei wird nach Sicherung der Diagnose und unzureichender Wirkung der typischerweise verwendeten prophylaktischen Medikamente, nach einem speziellen Schema, an 31 unterschiedlichen Stellen im Kopf-Hals-Bereich eine festgelegte Dosis von Botulinumtoxin injiziert. Die Therapie hat sich bei den Betroffenen Pat. sehr bewährt und führt häufig wieder zu einer aktiveren Teilnahme am Leben.

Leitung:
Olav Schwarte
Oberarzt der Neurologie

Terminvereinbarung:
Sekreteriat der Neurologie
Frau Sabine Wihr
Telefon: +49 8671 509 1829

Links:
http://www.dystonie.de
http://www.chronischemigraene.de

Parkinson

Das Parkinson-Syndrom ist keine seltene Erkrankung, zumal wenn man die demographische Entwicklung hierzulande berücksichtigt. Jeder 500ste Bundesbürger insgesamt und sogar 3% der 80-jährigen Menschen sind betroffen. Prominente Beispiele für Menschen mit Parkinsonkrankheit sind der Boxer Muhammad Ali, der Schauspieler Michael J. Fox, der verstorbene Papst Johannes Paul II. oder auch der ehemalige Palästinenserführer Jassir Arafat.

Die Erkrankung ist durch langsam zunehmende Steifigkeit der Glieder, Zittern auch in Ruhe, allgemeine Bewegungsarmut und Gleichgewichtsstörungen gekennzeichnet. Allerdings müssen diese Symptome nicht von Anfang an vorliegen. Bei vielen Patienten treten teils sehr früh im Verlauf und von der Bewegungsfunktion völlig unabhängige Auffälligkeiten auf. Als Beispiele seien Rückenschmerzen, Depression, Angst, Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit und Störungen des sog. vegetativen Nervensystems, etwa Blasenstörungen, genannt. Die Diagnose wird durch den Facharzt aus dem Gesamtbild von Vorgeschichte und Beschwerden gestellt. Zusatzuntersuchungen wie Computer- oder Kernspintomografie, Ableitung der Hirnstromkurve, Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Gefäße und Laboruntersuchungen sind aber zur Abgrenzung anderer Ursachen der Symptome erforderlich.

Die Erkrankung ist leider bislang nicht heilbar, kann aber mit Medikamenten so gut behandelt werden, dass in der Regel lange Zeit ein normales Leben möglich ist und die Gesamtlebenserwartung im Vergleich zur Normalbevölkerung nicht wesentlich verringert ist. In der Neurologischen Klinik stehen alle erforderlichen diagnostischen Möglichkeiten zur Abklärung und zur konservativen Behandlung zur Verfügung. Eine neu diagnostizierte Parkinsonkrankheit stellt bei entsprechender Ausprägung der Beschwerden auch eine Indikation für eine neurologische oder geriatrische Rehabilitationsmaßnahme dar.

Diagnostik und Therapieverfahren:

  • Diagnostik und Therapie von Bewegungsstörungen, Abklärung anderer parkinsonähnlicher Erkrankungen
  • Ausführliche Beratung der Patienten und Angehörigen
  • Medikamentöse Neueinstellung oder Therapieoptimierung im Krankheitsverlauf
  • Bei zunehmender Therapieresistenz Einsatz kontinuierlicher Medikamentenpumpen zur Dopaminstimulation wie Apomorphin oder Duodopa
  • Multimodaler Therapieeinsatz unter Mithilfe der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Neuropsychologie sowie Sozialdienst (Hilfsmittel, häusliche Pflegeunterstützung)
  • Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie nichtmotorischer Begleiterkrankungen (Kreislaufdysregulation, Verdauungsbeschwerden, Körperhaltungsstörungen…)
  • Ausführliche Diagnostik von begleitenden Schluckstörungen mittels Videoendoskopie
  • Botox-Behandlung bei übermäßiger Speichelproduktion

Epilepsie

Fast jeder 10. Mensch hat im Laufe seines Lebens einmal einen epileptischen Anfall; natürlich hat nicht jeder 10. Mensch deswegen eine Epilepsie! Die Abgrenzung von anderen Krankheitsbildern mit plötzlich auftretenden Bewusstseinsveränderungen und die Abgrenzung von so genannten Gelegenheitsanfällen und kreislaufbedingte Bewusstlosigkeiten gegenüber einem epileptischen Anfallsleiden gehört in die Kompetenz des Neurologen.

Epileptische Anfälle können sehr unterschiedliche Ursachen haben und sehr unterschiedlich ablaufen. Landläufig bekannt sind vor allem die so genannten großen Anfälle, die mit Bewusstlosigkeit, Zungenbiss, Einnässen, Versteifung und rhythmischen Zuckungen der Gliedmaßen einhergehen. Epileptische Anfälle können aber auch ganz anders aussehen, weit weniger dramatisch sein und auch entsprechend spät erst erkannt werden. Z. B. äußern sich bei vielen älteren pflegebedürftigen Menschen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben oder an einer Demenz leiden, epileptische Anfälle häufig nur in einer Wesensänderung und Bewusstseinsminderung ohne die bekannten Zuckungen.

Gerade große Anfälle führen häufig zu Krankenhauseinweisungen. Wenn bislang keine Epilepsie bekannt ist, muss eine sorgfältige Abklärung erfolgen, da - zumal im mittleren und höheren Lebensalter - neu auftretende epileptische Anfälle häufig durch eine Gehirnschädigung, z. B. einen Hirntumor oder Schlaganfall verursacht sein können.

Zur Abklärung eines ersten Anfalls gehört neben der Ableitung einer Hirnstromkurve immer eine bildgebende Darstellung des Gehirns, z. B. mit einer Computertomografie oder Kernspintomografie. Weitere Untersuchungen können nötig sein um Entscheidungen über Notwendigkeit und Art einer Therapie zu treffen. Entsprechende Möglichkeiten für modernste Diagnostik und Therapie stehen in den Kreiskliniken zur Verfügung

Demenz

Die bekannteste und häufigste Form der Demenz ist die Alzheimerkrankheit. Sie ist durch einen langsam fortschreitenden Verlust höherer geistiger Fähigkeiten wie Merkfähigkeit, Auffassungsgabe, Konzentrationsfähigkeit, planerisches Handeln oder auch sprachliche Kommunikation gekennzeichnet. Ein Heilmittel gegen die Erkrankung, die durch einen ursächlich noch nicht vollständig geklärten Hirnabbau entsteht, gibt es nicht. Etwa 2% der jüngeren Senioren um 65 Jahre, jedoch bis zu einem Drittel der hoch betagten Menschen leiden an einer Alzheimer-Demenz mit allen Konsequenzen für ihre und die Lebensqualität ihrer Familien, aber auch für zunehmende Kosten durch Diagnostik, Therapie und Pflege.

Mit modernen Medikamenten gelingt es, den Verlauf zu verzögern und so den Zeitpunkt einer umfassenden Pflegebedürftigkeit hinauszuschieben. Aufgabe von Neurologen und Psychiatern ist es möglichst frühzeitig die Diagnose der Demenz und die Aufdeckung möglicher behandelbarer Ursachen zu stellen, denn die Alzheimerkrankheit ist zwar die häufigste Demenzform, die Zahl an möglichen selteneren Ursachen ist aber sehr groß. Auch die Abgrenzung gegenüber einer vermeintlichen Demenz im Rahmen einer seelischen Erkrankung, v. a. einer Depression, ist überaus wichtig und von großer Bedeutung für die Prognose und Therapie. In der Neurologischen Klinik stehen alle fachlichen und technischen Möglichkeiten zur Verfügung, um Demenzen sinnvoll abzuklären. Für spezielle Fragestellungen, v. a. für eine derzeit noch nicht routinemäßig angewendete Funktionsbildgebung, ist ggf. die Weiterleitung an ein Zentrum erforderlich

Wirbelsäulenerkrankungen

Wirbelsäulenerkrankungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet und eine sogenannte "Volkskrankheit". Dabei handelt es sich um die zweithäufigste Schmerzform nach Kopfschmerzen und belastet die Volkswirtschaft alleine durch schmerzbedingte Arbeitsausfälle mit über 30 Mrd. € im Jahr. Rückenschmerzen, die bevorzugt im Bereich des Halses und der Lendenwirbelsäule auftreten, sind der häufigste Grund für stationäre Rehabiliationen und Kuren. Jede fünfte vorzeitige Berentung in Deutschland geht auf das Konto des Rückenschmerzes.

Gerade aus diesen Gründen sollte jedes anhaltende oder mit Ausfällen einhergehende Rückenschmerzsyndrom neurologisch abgeklärt und über das weitere operative oder konservative Vorgehen mit dem Patienten befunden werden.

Rückenschmerzen können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden:

  • Verschleiß der Knochen und Bandscheiben
  • Bandscheibenvorfälle
  • Muskuläre Verspannungen
  • Verengungen des Wirbelkanales und der Nervenaustrittsöffnungen
  • Entzündungen der Rückenmarksnerven
  • Äußere oder innere Verletzungen
  • Osteoporose
  • Verkrümmungen des einzelnen Wirbels oder der ganzen Wirbelsäule

Die Neurologische Klinik verfügt über die apparative Ausstattung zur exakten Messung der jeweiligen Schädigung und zur Abgrenzung anderer Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild.

In enger Kooperation mit der Abteilung für Rehabilitation und Physikalische Medizin wird bereits frühzeitig mit entspannenden und schmerzlindernden Therapieverfahren begonnen (Bewegungstherapie, Wassertherapie, Stromtherapie, Massage, Fango und medizinische Trainingstherapie). Unterstützt werden diese Maßnahmen durch gezielten Einsatz von Medikamenten unter Berücksichtigung modernster Gesichtspunkte der Schmerztherapie. Gerade diese soll zukünftig bei schweren oder chronischen Schmerzsyndromen in enger (interdisziplinärer) fachübergreifender Form unter stationären Bedingungen ausgebaut werden.

Je nach Notwendigkeit wird dann eine weiterführende Rehabilitationsmaßnahme eingeleitet oder in Absprache mit der Knochenchirurgie der Kreisklinik Altötting oder der konsiliarischen Neurochirurgie (jeden Donnerstag in Kooperation mit der neurochirurgischen Abteilung der TU München) eine Operation diskutiert.

Alkoholismus ist eine Krankheit!

Durch einen langen Konsum von Alkohol in zu großer Menge (zwei bis drei Gläser Wein oder Bier am Tag reichen bereits aus, bei Frauen u. U. schon die halbe Menge) kommt es in bestimmten Bereichen des Gehirns ("Belohnungssystem") zu Veränderungen, die das Einstellen des Alkoholkonsums allein aufgrund des eigenen Willens und guter Absichten unmöglich machen.

Daher ist eine lange Behandlung in verschiedenen Stufen (Problemerkennung - körperliche Entgiftung - Entwöhnung - Wiedereingliederung und ambulante Weiterbehandlung) erforderlich.

Die Behandlung von alkoholkranken Menschen erfordert neben der Motivation des Betroffenen eine gute Zusammenarbeit von stationären und ambulanten Behandlern, das heißt von Krankenhaus, niedergelassenen Ärzten/Therapeuten und Suchtberatungsstellen.

Nur bei optimaler Nutzung der Therapieangebote besteht die realistische Aussicht auf eine langfristige Abstinenz!

Wann spricht man von Sucht?

  • Starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken
  • Verminderte Kontrolle bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Alkoholkonsums
  • Körperliche Entzugssymptome bei Verzicht auf Alkoholkonsum
  • Dosissteigerung des Alkoholkonsums, um die gleiche Wirkung zu erreichen
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Alkoholkonsums
  • Anhaltender Alkoholkonsum trotz Hinweises auf die schädlichen Folgen

Wenn drei der genannten Kriterien im letzten Jahr erfüllt waren, ist von einer Abhängigkeit auszugehen!

Die Alkoholkrankheit führt zu gefährlichen körperlichen Folgeerkrankungen:

Blutungen aus Speiseröhre und Magen, Magenschleimhautentzündung, Leberverfettung, -entzündung, und -zirrhose, verschlechterte Aufnahme von Vitaminen über die Magenschleimhaut, Herzmuskelschwäche, hoher Blutdruck, Hormonstörungen mit verminderter Produktion von männlichen Geschlechtshormonen, epileptische Anfälle, Abnahme des Hirnvolumens mit Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit (Demenz), Krebserkrankungen in Speiseröhre, Magen und Mundhöhle, geschwächtes Immunsystem, körperliche und geistige Behinderung der Kinder von Frauen, die in der Schwangerschaft Alkohol trinken.

Entgiften auf eigene Faust ist gefährlich!

Schwere Entzugssymptome bei der Alkoholentgiftung wie epileptische Krampfanfälle, Blutdruckentgleisungen, Blutsalzverluste oder das gefürchtete Delirium (Verfolgungswahn, Ängste, szenische Halluzinationen) können durch eine sorgfältige Behandlung vermieden werden. Also: Bei körperlichen Entzugssymptomen lieber zu früh als zu spät ins Krankenhaus!

Versorgung alkoholkranker Patienten in der Kreisklinik Altötting

Die Kreiskliniken bemühen sich in enger Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen in Altötting und Burghausen jetzt vermehrt um alkoholkranke Patienten. Die Zusammenarbeit zwischen der Internen Abteilung, der Neurologischen Klinik und dem Sozialdienst ermöglicht eine optimale Behandlung. Bereits während des Aufenthaltes kann die Verbindung zur weiter betreuenden ambulanten Beratungsstelle hergestellt werden. Ziel ist auch, das weitere therapeutische Vorgehen noch vor Entlassung gemeinsam festzulegen.

Bei Alkoholabhängigkeit mit Entzugserscheinungen bei Verzicht auf Alkohol kann eine körperliche Entgiftung jederzeit in der Kreisklinik Altötting erfolgen.

Eine Entgiftung von illegalen Drogen ist erfahrungsgemäß innerhalb der Strukturen eines Allgemeinkrankenhauses auch bei Motivation aller Beteiligten wenig Erfolg versprechend. Wir empfehlen daher PatientInnen, die an einer Heroinentgiftung oder Entgiftung von anderen illegalen Drogen interessiert sind, sich an die Suchtberatungsstelle und/oder eine Psychiatrische Fachklinik mit Entgiftungsstation zu wenden.

Neurologie - Funktionsdiagnostik

Neurosonografie - Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Arterien

Doppler - was ist das eigentlich?

Gar nicht weit von hier, nämlich in Salzburg, wurde Christian Doppler (1803 - 1853) geboren, der in den 1840er Jahren den nach ihm benannten Effekt entdeckte, dem wir es verdanken, dass wir Flussgeschwindigkeiten in Blutgefäßen bestimmen können. Als Doppler-Effekt bezeichnet man grundsätzlich die Veränderung der Frequenz von Wellen jeder Art, wenn sich die Quelle und der Beobachter einander nähern oder voneinander entfernen (zum Beispiel Veränderung der Tonhöhe, also Frequenz, wenn ein Krankenwagen mit Martinshorn sich nähert und an einem vorbeifährt).

Wenn man mit einem Ultraschallsender Schallwellen in ein Blutgefäß sendet und das Schallecho mit dem Schallkopf wieder registriert, kann man mit Hilfe der von Doppler gefundenen Beziehung zwischen Schall und Entfernung daraus berechnen, wie schnell das Blut in der Arterie fließt.

Die Flussgeschwindigkeit des Blutes wird beispielsweise durch Engstellen verändert. Im Bereich der Engstelle kommt es zu einer Beschleunigung, nach einer Engstelle kann es zu einer deutlichen Verlangsamung des Blutflusses kommen. Durch die Kombination aus Doppler- und moderner Ultraschalltechnik ist es möglich, gleichzeitig die Blutgefäße, z. B. am Hals, aber auch am Bein oder an den Armen, darzustellen und den Blutfluss in ihnen sichtbar zu machen und die Geschwindigkeit des Blutflusses in den Gefäßen zu bestimmen. So erhält man Informationen zur Gefäßbeschaffenheit und zum Verhalten ihres Blutflusses.

Die Kombination aus Doppler- und Ultraschalltechnik (Doppler-/Duplexsonografie) gehört mittlerweile zu den Standardverfahren in der Untersuchung von Blutgefäßerkrankungen. Sie ist von geübten Untersuchern schnell durchführbar, auch in Notfallsituationen, ungefährlich und schmerzlos. Die Ergebnisse tragen inzwischen maßgeblich zu Therapieentscheidungen im Hinblick auf notfallmäßige Gerinnselauflösung (Lysetherapie) und Gefäßoperationen oder -aufdehnungen bei.

Wann sollte die Doppler-/Duplexsonografie durchgeführt werden?

  • In jedem Fall bei der Abklärung von Schlaganfällen, denn 1/3 der Schlaganfälle werden dadurch verursacht, dass sich Teile von Verkalkungen der Halsschlagadern lösen und in die Hirngefäße geschwemmt werden, wo sie zu Verschlüssen kleinerer oder größerer Gefäßäste führen.
  • Wenn eine Herzkranzgefäßverengung oder eine Verengung der Beingefäße festgestellt worden ist, finden sich häufig auch Verengungen der Halsgefäße, die u. U. behoben werden können, bevor es zum Schlaganfall kommt.
  • Bei der Abklärung von unklaren Bewusstseinsverlusten und Demenzen (Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit), da diese auf Veränderungen der Blutversorgung des Gehirns beruhen können.

EEG, Langzeit-EEG, Polysomnographie

EEG - was ist das eigentlich?

EEG steht als Abkürzung für Elektro-Enzephalographie, also die Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns. Diese Untersuchungsmethode wurde in den 1920er und 1930er Jahren von dem Jenaer Psychiater Hans Berger entwickelt und bis heute ständig verfeinert. Sie gehört zu den Standard-Untersuchungen der Neurologie.

Heute wird die EEG-Aufzeichnung - wie auch in unserer Klinik - häufig digital durchgeführt, was verschiedene Vorteile gegenüber der früher üblichen Aufzeichnung auf Papier mit sich bringt.

Abgeleitet wird mit Oberflächenelektroden, die mit einer speziellen Haube auf der Kopfhaut befestigt werden. Die Untersuchung ist völlig ungefährlich und nicht mit Schmerzen verbunden.

Gemessen wird die elektrische Aktivität der Zellen der Hirnrinde. Tiefere Regionen können mit dem Routine-EEG nicht beurteilt werden. Die gemessene elektrische Aktivität muss in der Ableitung erheblich verstärkt werden, da die gemessenen Schwankungen im Bereich von einigen Millionstel Volt liegen.

Viele akute und chronische Erkrankungen des Gehirns führen zu Veränderungen der elektrischen Hirnaktivität und damit zu Veränderungen im EEG.

Manche Gehirnerkrankungen können mit letzter Sicherheit nur mit dem EEG erkannt werden, was dann erst ihre gezielte Behandlung ermöglicht.

Neben dem Routine-EEG haben wir die Möglichkeit eine Langzeitaufzeichnung des EEG's mittels eines mobilen Rekorders. Dieser kann optional mit Messungen der Polysomnographie (Schlafmedizin) erweitert werden.

Wann sollte ein EEG abgeleitet werden?

  • Bei unklaren Bewusstseinsverlusten oder Bewusstseinsveränderungen
  • Bei der Abklärung von epileptischen Krampfanfällen
  • Bei ungewöhnlicher Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit
  • Im Rahmen der Hirntoddiagnostik, z. B. im Rahmen einer möglichen Organexplantation
  • Bei Verdacht auf entzündliche Erkrankungen des Gehirns und der Hirnhäute

EEG

So sieht hoffentlich Ihr EEG aus. Normale Aktivität mit Veränderung der Frequenz in Abhängigkeit vom Lidschluss.

Neurographie ("Nervenmessung") und evozierte Potentiale

Man kann sich einen Nerven vereinfacht als ein Bündel von Kabeln vorstellen, das durch eine Isolierung (Nervenscheide) umgeben ist, wobei die Isolierung in regelmäßigen Abständen unterbrochen ist. Die elektrischen Impulse springen von Unterbrechung zu Unterbrechung, wodurch die Nervenleitung auf ca. 200 km/h beschleunigt wird. Die Nervenleitgeschwindigkeit hängt also von der Qualität der Nervenscheide ab. Von der Anzahl der intakten Fasern ist abhängig, wie viel an Informationen geleitet werden kann. Sowohl Schäden an der Isolierung als auch eine Schädigung der Fasern können ab einem bestimmten Ausmaß zu einer Beeinträchtigung der Information, also z. B. zu einem Taubheitsgefühl, führen. Beides kann man messen.

Als Patient mit einer "Nervenerkrankung" bemerkt man Ausfälle, weiß aber in der Regel nicht, an welcher Stelle die Ausfälle entstehen. Zum Beispiel kann die Ursache eines Taubheitsgefühls in der Hand durch eine Schädigung des entsprechenden Nerven im Arm, im Nervengeflecht in der Schulter, eine Schädigung der Nervenwurzel, z. B. durch einen Bandscheibenvorfall, eine Schädigung im Rückenmark oder eine Schädigung im Gehirn liegen, wobei dort weitere Stationen der Reizverarbeitung zu unterscheiden sind. Der Ort der Schädigung ist meist durch Befragung nach Art, Auftreten und Dauer der Beschwerden sowie anhand ihrer Verteilung einzugrenzen. Bildgebende Untersuchungen können helfen, die Vermutung zu bestätigen, elektrische (elektrophysiologische) Untersuchungen tragen ebenfalls zur Bestätigung bei und erlauben oft eine Aussage über das Ausmaß der Schädigung.

Bei elektrophysiologischen Untersuchungen von einzelnen Nerven macht man sich deren Leitfähigkeit zu Nutze. Man reizt sie mit für den Menschen zwar spürbaren, aber völlig ungefährlichen Stromimpulsen und leitet an einer Stelle im Verlauf des Nerven seine "Reizantwort" ab. Man erhält eine Aussage über die Stärke des Nerven (Höhe der Reizantwort) und über den Zustand seiner Isolierung (Nervenleitgeschwindigkeit).

Evozierte Potentiale sind eine weitere Möglichkeit, das Nervensystem zu beurteilen. Man reizt Nerven ähnlich wie bei der Untersuchung der Bein- und Armnerven oder spricht andere Sinnesorgane mit Lichtreizen bzw. Schallimpulsen an und misst die Reizantwort im Gehirn mittels Ableitung über Oberflächenelektroden ähnlich wie beim EEG (siehe nächste Tür). Auch diese Messungen sind unblutig und erlauben insbesondere eine Aussage über den Ort einer Schädigung der Informationsleitung im Nervensystem.

Typische Fragestellungen, bei denen elektrophysiologische Untersuchungen hilfreich sind:

  • Lähmungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen
  • Gesichtsnervenlähmungen
  • Gefühlsstörungen
  • Bestimmte Formen von Sehstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen/Schwindel
  • Gangstörungen

In unserer Klinik gehören elektrophysiologische Untersuchungen zum Standard bei der Abklärung neurologischer Erkrankungen, aber auch neurologischer Begleiterscheinungen von Krankheitsbildern aus Bereichen anderer Fachabteilungen.

EEG

Das Bild oben zeigt die Reizantwort eines gut messbaren Beinnerven auf einen elektrischen Reiz. Der Nerv ist für die Leitung von Berührungsreizen zuständig. Man sieht bei einem normalen Nerven (Bild oben) einen Ausschlag nach oben. Aus der Zeit, die bis zu diesem Ausschlag verstreicht, und der zurückgelegten Entfernung zwischen Reiz und Ort der Messung kann man die Geschwindigkeit ermitteln. Im Beispiel unten (Patient) ist eine Reizantwort nicht mehr messbar.

EEG

Liquorentnahme (Lumbalpunktion):

Außer Ultraschall- und elektrophysiologischen Untersuchungen sind zur Abklärung häufig Laboruntersuchungen aus Blut und Liquor (Nervenwasser) erforderlich. Die Liquorentnahme im Bereich der Lendenwirbelsäule ist heutzutage eine Standarduntersuchung, die mit wenig Aufwand verbunden und sehr komplikationsarm ist. Das liegt auch an der heute üblichen Verwendung ungeschliffener, dünner Entnahmenadeln, die keine Verletzung am Nervenwassersack hinterlassen. So können auch die früher etwas häufiger nach der Untersuchung aufgetretenen Kopfschmerzen weitestgehend verhindert werden.

Nervenwasseruntersuchungen sind u. a. erforderlich bei Verdacht auf Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, Nervensystembeteiligung bei durch Zecken übertragener Borreliose und bei Verdacht auf Multiple Sklerose. Außerdem wird sie notfallmäßig bei der Abklärung plötzlicher schwerer Kopfschmerzen durchgeführt, um bestimmte Formen von Blutungen im Nervensystem zu erkennen.

Endoskopische Schluckdiagnostik (Fiberoptic Endoscopic Evaluation of Swallowing - FEES):

Häufig kommt es bei neurologischen Erkrankungen ( z.B. bei einem Schlaganfall) zu Schluckstörungen. Im schlimmsten Fall zur Aspiration (wobei Nahrung, Flüssigkeit oder auch Speichel in die Luftröhre gelangen) und dann zu einer Lungenentzündung führt. Um den Schluckakt zu beurteilen, besteht die Möglichkeit unter Sicht, mit einem dünnen flexiblen Endoskop, verschiedene, mit Lebensmittelfarbe eingefärbte, Nahrungskonsistenzen (flüssig, nektarartig, Fruchtmus, fest) zu verabreichen. Dabei kann beurteilt werden, ob es zu einer Aspiration kommt oder wie hoch das Risiko einer Aspiration einzuschätzen ist und die weitere, insbesondere logopädische Therapie, kann geplant oder angepasst werden.

Die Untersuchung ist mit einem geringen Vorbereitungsaufwand, jederzeit, mobil (auch am Patientenbett), ohne wesentliche Nebenwirkungen für den Patienten, durchzuführen, so z.B. auch in der Akutphase eines Schlaganfalles.
Weitere neurologische Erkrankungen mit behandlungsbedürftigen Schluckstörungen können z.B. sein:

  • Morbus Parkinson
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Demenzen

Logopädie in der Neurologie:

Logopädische Diagnostik und Therapie von/bei:

  • Sprachstörungen
  • Sprechstörungen
  • Sprechplanstörungen
  • Gesichtsnervenlähmungen
  • Kommunikationsstörungen
  • Schluckstörungen

Therapieangebote:

  • Angehörigenberatung und –anleitung zum Co-Therapeuten (zusätzliches häusliches Üben)
  • störungsspezifische individuelle Therapiekonzepte
  • Kostanpassung
  • Anwendung kompensatorischer Strategien

Neuropsychologischer Konsiliardienst und Psychotherapie in der Neurologie:

  • Die klinisch-psychotherapeutische Behandlung innerhalb der Neurologie Altötting, befasst sich mit der Diagnostik und Therapie des gesamten Spektrums psychischer Erkrankungen, soweit diese im Rahmen einer stationären neurologischen Behandlung auftreten, sich verschlechtern oder selbst zur Aufnahme auf die neurologische Station geführt haben. 
  • Ziel ist die interdisziplinäre Therapie  und  Wiedererlangung der psychischen Funktionsfähigkeit, sowie die Bewältigung von Alltagsbeeinträchtigungen, aber auch Unterstützung und Vermittlung von weiterführenden ambulanten und/oder stationären Therapieangeboten. 

Ergotherapie in der Neurologie:

  • Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen, die in ihren alltäglichen Fähigkeiten eingeschränkt sind oder von Einschränkungen bedroht sind, zu begleiten, zu unterstützen und zu befähigen, ihren Alltag möglichst selbständig zu bewältigen.
  • Therapieangebote sind Behandlung nach Bobath, PNF, Perfetti, Manuelle Therapie, ADL (Aktivitäten des täglichen Lebens) z.B. Wasch- und Anziehtraining, Mahlzeiten zubereiten und einnehmen, Hirnleistungstraining, motorisch-funktionelle Therapie, Hilfsmittelerprobung und –Anpassung, Training der Feinmotorik, Wärme- und Kältetherapie, Schulung von Sensibilität und Sensorik sowie Angehörigenberatung und –anleitung.

Physiotherapie in der Neurologie:

  • Die Ziele der Physiotherapie orientieren sich individuell an dem Befund und dem Krankheitsbild der Patienten. Im Rahmen des Stroke Unit Konzepts steht die Erstbefundung und frühe Beübung der neurologischen Defizite im Vordergrund.
  • Therapiemöglichkeiten sind Behandlung nach Bobath, PNF, FBL, manuelle Therapie, Atemtherapie, Gangschulung, Gleichgewichtstraining, Lagerungstraining bei gutartigem Lagerungsschwindel, vestibuläres Training mit Biofeedback, Neurodynamik, manuelle Lymphdrainage, Elektrotherapie, Schlingentischtherapie, Rückenschule, kinesiologisches Tapen sowie kraniosakrale Therapie.