Risikopatienten zögerlich während der Pandemie - Chirurgische Notfallversorgung gesichert

Altötting, 09.02.2021 - Die Corona-Pandemie stellt das Gesundheitswesen und die Kliniken vor noch nie dagewesene Herausforderungen. War und ist die chirurgische Notfallversorgung dennoch gewährleistet? Mit dieser Frage beschäftigten sich in einer bundesweiten Studie die chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Militär- und Notfallchirurgie (CAMIN) und die DGAV (Deutsche Gesellschaft für Allgemein - und Viszeralchirurgie) am Beispiel der Behandlung einer Blinddarmentzündung. Ausgewertet wurden dabei die Daten von 1.915 Patienten aus 41 Kliniken, also etwa 4 Prozent aller Kliniken in Deutschland. Die Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am InnKlinkum Altötting hat sich an dieser Studie beteiligt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor: Insgesamt wurden während des Lockdowns im Frühjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr weniger Patienten mit einer Blinddarmentzündung operiert (2019: 1027 Patienten – 2020: 888 Patienten). Die Studie belegt, dass sich insbesondere Corona-Risikopatienten (mit schwerwiegenden Vorerkrankungen oder in fortgeschrittenem Alter) nach Auftreten der ersten Symptome verzögert in ärztliche Hände begeben haben. Die Folgen waren eine höhere Rate an postoperativen Komplikationen, häufigere Aufenthalte in der Intensivstation und längere stationäre Liegezeiten. Auch die Anzahl an komplizierten Blinddarminfektionen war erhöht. Die gute Nachricht ist, dass die Zahl der lebensbedrohlichen Verläufe auch während der Corona-Pandemie nicht angestiegen ist. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die chirurgische Notfallversorgung auch während der Pandemie gesichert war und weiterhin gesichert ist. Prof. Christian Jurowich, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am InnKlinkum Altötting, zum Ergebnis der Studie: „Die Studie belegt die chirurgische Leistungsfähigkeit der Kliniken auch während der Corona-Pandemie, deckt aber auch die negativen Folgen einer zu zögerlichen Haltung von Patienten auf. Ich kann nur jeden Patienten ermutigen, eine erforderliche Behandlung nicht aus Sorge vor Corona auf die lange Bank zu schieben.”

 JF

 Prof. Christian Jurowich und Dr. Jörg Filser (Foto: Schmitzer/InnKlinikum)

„Appendicitis during the COVID-19 lockdown - Results of a multicenter analysis in Germany"
Arnulf Willms, MD; Karl J. Oldhafer; Sophie Conze; Wolfgang E. Thasler; Christian von Schassen; Thorsten Hauer; Tobias Huber; Christoph-Thomas Germer; Simone Günster; Dirk R. Bulian; Zarah Hirche; Jörg Filser; Gregor A. Stavrou; Martin Reichert; Patrizia Malkomes; Steffen Seyfried; Tobias Ludwig; Hans C. Hillebrecht; Dimitrios Pantelis; Stefanie Brunner; Wilm Rost; Johan F. Lock
Dr. med. J. Filser, Innklinikum Altötting

← Zurück