„Manchmal reicht es, die Hand des Menschen zu halten“

Fragt man Devasahayam „Deva” Gudipalli ob er jemals die Entscheidung, Priester zu werden bereut habe, dann antwortet er auf Indisch-Bairisch kurz und knapp: „Na” und setzt sein ansteckendes Lächeln auf. Vor 24 Jahren wurde der heute 53-Jährige zum Priester geweiht. Vor acht Jahren kam er nach Deutschland. Eigentlich wollte ihn der Bischof zunächst nach Amerika schicken, aber das lehnte er ab. Ein zweites Mal abzulehnen sei nicht möglich gewesen, also packte Deva seine Koffer uns setzte sich ins Flugzeug nach Deutschland. Seit fünf Jahren ist er nun im Pfarrverband Altötting als Pfarrvikar tätig und wirkt gleichzeitig als Klinikseelsorger im InnKlinikum. Es ist ein besonderes Jubiläum für den gebürtigen Inder, dem der Landkreis Altötting längst zur zweiten Heimat geworden ist. Geboren wurde Deva Gudipalli 1967 in einem kleinen Dorf im Bundesstaat Andrah Pradesh als eines von fünf Kindern. Die Eltern waren Tagelöhner. Er und seine Geschwister wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit elf Jahren litt der Junge an einer schweren Infektion und war von den Ärzten schon aufgegeben worden, da machten seine Eltern eine Wallfahrt und versprachen, sein Leben Gott zu schenken, wenn er nur die Krankheit überlebte. Letztlich sei es dann aber auch seine eigene Entscheidung gewesen, als er sich mit 18 Jahren dafür entschied, sein Leben der katholischen Kirche zu widmen. Einerseits, weil er sich innerlich dazu berufen fühlte und andererseits, weil es für ihn die einzige Möglichkeit für eine höhere Schulbildung war. Zunächst studierte er Philosophie und Soziologie, schloss dann ein Praktikum in einer Pfarrei an und begann anschließend sein Theologiestudium. 1995 wurde Deva Gudipalli in seiner Heimat zum Diakon geweiht und 1996 zum Priester. In seiner Zeit als Priester in Indien hat er unter anderem beim Bau eines Kinderheims mitgewirkt, zu dem er noch heute enge Verbindung hält. Zweimal im Jahr fliegt der 53- Jährige in die alte Heimat um seine Familie und die Heimkinder zu besuchen und jeden Monat überweist er einen Teil seines Priestergehalts an das zuständige Bistum, welches damit wiederum das Kinderheim unterstützt. Wie lange er noch in Deutschland bleiben darf, weiß Deva nicht. „Das entscheidet der Heimatbischof. „Für zehn Jahre bin ich nach Deutschland beordert, es kann aber auch länger werden.” Der 53-Jährige nimmt es, wie es kommt. Ich freue mich hier in Altötting als Seelsorger wirken zu können, ich wäre aber auch glücklich darüber, wieder in Indien als Pfarrer tätig sein zu können. Die Tätigkeit als Klinikseelsorger ist für ihn, über alle Sprachbarrieren hinweg, eine sehr erfüllende Aufgabe. „Manchmal reicht es, die Hand eines Menschen zu halten – ohne viele Worte zu sprechen.” Das Lebensmotto des Seelsorgers, das er auch an die Patienten des InnKlinikum weitergibt: „Vertrau Dich Gott an, lege Dein Schicksal in seine Hände, dann wird alles gut.”

Deva

Deva Gudipalli im InnKlinikum Altötting (oben) und unten als Seelsorger in seiner indischen Heimat. Fotos: Schmitzer/Priv.

Kinderheim

 

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