Zur Person

Aufgabe des Schwindellabors

Die Schwindelambulanz

Das Schwindellabor ist eine Spezialeinheit, die mit Hilfe klinischer Untersuchungen, elektrophysiologischer und psychophysischer Methoden Schwindel- und neuroophthalmologische Erkrankungen diagnostiziert und Therapien initiiert oder optimiert.

Hierzu stehen ein Routinelabor (s. Foto) und ein zusätzliches wissenschaftliches Labor für spezielle Augenbewegungsuntersuchungen zur Verfügung.

 

Vorbereitung des Besuchs:

Um Ihnen einen gut organisierten Ablauf gewährleisten zu können, bitten wir Sie, folgendes zu beachten:

  • Die Untersuchungen können bis zu vier Stunden dauern.
  • Bitte kommen Sie ungeschminkt zu uns: kein Lidschatten, keine Wimperntusche und keine Augencreme.
  • Bitte bringen Sie alle Vorbefunde mit. Röntgen- und MRT Bilder (vorzugsweise auf CD).
  • Bitte verzichten Sie, wenn möglich, auf die Einnahmen von „Schwindelmedikamenten“ am Tag der Untersuchung.
  • Füllen Sie den Schwindelanamnesebogen bereits zu Hause aus und bringen Sie ihn zur Untersuchung mit.

Downloads: Schwindeltagebuch und Schwindelanamnesebogen

Anmeldungen bitte über das Sekretariat:

Sekretariat: Frau Sabine Wihr
Telefon: +49 8671 509 1829
Telefax: +49 8671 509 1806
E-Mail: s.wihr©krk-aoe.de

Infoflyer Schwindllabor

Infoflyer Schwindellabor

 

Was ist Schwindel?

Schwindel ist eine Umschreibung für Störungen der Raumorientierung oder aber Wahrnehmung der stabilen Umwelt oder des unbewegten Körpers als in Bewegung befindlich.

Entstehung des Schwindels

Schwindel entsteht durch ein zentrales Ungleichgewicht der Informationen des Gleichgewichtsorgans (Innenohr), der Augen und der sensorischen Rezeptoren der Beine. Dieses zentrale Ungleichgewicht beeinflusst die Wahrnehmung der Umwelt (Schwindelgefühl), die Halteregulation (Probleme des Gehens und Stehens), die Blickstabilisierung (Wahrnehmung einer instabilen Umwelt) und des vegetativen Nervensystems (Übelkeit, Erbrechen).

Entstehung des Schwindels

Fast jeder 3. Mensch erkrankt einmal im Leben an Schwindel (Lebenszeit-Prävalenz: 30%). Schwindel kann von Patienten als sehr bedrohlich wahrgenommen werden und führt in den meisten Fällen zu einem Arztbesuch.

Schwindel ist daher ein komplexes Krankheitsbild und bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen (HNO-Heilkunde, Augenheilkunde, Innere Medizin, Neurologie).

Symptome

Das Syndrom „Schwindel“ setzt sich zusammen aus:

1. Einem subjektivem Gefühl:

  • Unsicherheit beim Gehen
  • Gefühl sich zu drehen
  • Gefühl einer instabilen Umwelt
  • Raumorientierungsstörungen etc.

Schwindel

 

2. Störungen der visuellen Wahrnehmung (Beispiele):

Schwindel

Doppelbilder

Schwindel

Unscharfsehen

Schwindel

Scheinbewegungen

 

3. Störungen des Stands und Gangs

Gangataxie, Fallneigung

4. Störungen des Vegetativums

Übelkeit und Erbrechen

5. Als weitere Symptome können zusätzlich auftreten:

u. a. Kopfschmerzen, Hörstörungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen

 

Ursachen des Schwindels

Die Ursachen des Schwindels sind vielfältig. Einige Ursachen des Schwindels mit Auflistung der Erkrankungen sind nachfolgend dargestellt:

Physiologischer Reizschwindel:

verursacht durch den Konflikt zwischen visuellen und vestibulären Informationen: Bewegungskrankheit, Seekrankheit etc.

Peripher-vestibulärer Schwindel:

verursacht durch eine Funktionsstörung des Labyrinthes oder des vestibulären Nervens: z. B. Benigner Lagerungsschwindel, Neuropathia vestibularis, Morbus Menière, Perilymphfisteln, Cogan Syndrom, Vestibularisparoxysmie.

Zentraler Schwindel:

verursacht durch Störung der Verarbeitung von visuellen, vestibulären und somatosensiblen Eingängen oder durch die Unterbrechung von Bahnen im Hirnstamm: z. B. Schlaganfälle im Hirnstamm, Multiple Sklerose, vestibuläre/basiläre Migräne, episodische Ataxie, Downbeatnystagmussyndrom.

 

Visueller Schwindel:

verursacht durch gestörte Fusion der Netzhautbilder des rechten und linken Auges: z.B. Fusionsprobleme, Konvergenz –und Divergenzstörungen.

Psychogener Schwindel:

verursacht durch unausgewogene funktionelle Gewichtung schwindelrelevanter Informationen im Gehirn. z. B. phobischer Schwankschwindel

Die häufigsten Schwindelerkrankungen, in absteigender Reihenfolge:

  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel
  • Phobischer Schwankschwindel
  • Zentraler Schwindel
  • Basiläre Migräne
  • Neuritis vestibularis
  • Morbus Menière
  • Perilymphfistel
  • Vestibularisparoxysmie
  • Kleinhirnerkrankungen u. a.

Untersuchungsmethoden

Die Diagnostik der Schwindelerkrankung ist aufwändig und erfolgt wegen der Komplexität der sensomotorischen Integration (Link zu „Was ist Schwindel?“) mit klinischen, neurophysiologischen, aber auch psychophysischen Methoden.

1. Klinische Untersuchung

Die klinische Untersuchung umfasst neben der generellen neurologischen Untersuchung auch eine neurootologische und eine neuroophthalmologische Untersuchung. Hierzu gehören Lage- und Lagerungsproben, Untersuchungen der verschiedenen Typen von Augenbewegungen, die Untersuchung mit der Frenzelbrille, Stand- und Gangtests etc.

Klinische Untersuchung

 

2. Apparativen Zusatzdiagnostik

Videookulographie
Messung der horizontalen und vertikalen Augenbewegungen auf verschiedene visuelle Reize.

Videookulographie

 

Kalorische Testung
Erfassung der Funktion eines einzelnen horizontalen Bogenganges durch Spülung der Gehörgänge mit warmem und kaltem Wasser bei gleichzeitiger Messung der Augenbewegungen.

Kalorische Testung

 

Drehstuhluntersuchung
Testung des Zusammenspiels des rechten und linken Gleichgewichtsorgans und der Verarbeitung im Hirnstamm. Die horizontalen und vertikalen Augenbewegungen werden während Ganzkörperdrehungen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aufgezeichnet und ausgewertet.

Drehstuhluntersuchung

 

Video-Head-Impulstest in 3D
Untersuchung aller sechs Bogengänge durch kleine schnelle Kopfbewegungen während ein Punkt an der Wand fixiert wird.

Video-Head-Impulstest in 3D

 

Vestibulär evozierte Potentiale
Untersuchung der Funktion der Otolithenorgane mittels Kopfhörer und akustischer Stimuli. Gemessen wird eine nicht fühlbare Kontraktion der Hals- oder Augenmuskeln mit Oberflächenelektroden

Vestibulär evozierte Potentiale

 

Psychophysische Bestimmung der subjektiven visuellen Vertikalen (SVV)
Bestimmung der Verkippung einer senkrechten Linie zur Beurteilung der Funktion der Raumwahrnehmung auch bei Kopfkippung

Psychophysische Bestimmung der subjektiven
visuellen Vertikalen (SVV)

 

Fundusphotographie
Bestimmung der Verrollung der Augen mit einer Funduskamera zur Beurteilung der Funktion der Otolithen (Utriculus) und der Verarbeitung im Hirnstamm

Fundusphotographie

 

Dynamische und statische Perimetrie
Untersuchung des Gesichtsfeldes

Dynamische und statische Perimetrie

 

Posturographie
Messung der Stand- und Haltungsregulation auf einer speziellen Plattform

Posturographie

Therapie

Schwindelerkrankungen werden therapiert mit:

  • Medikamentöser Therapie
  • Medikamentenstudien (Link)
  • Gesprächen und Aufklärung über die Erkrankung 
  • Operative Therapien sind im Allgemeinen bei Schwindelerkrankungen nicht notwendig

Physikalische Therapie:

Wir bieten in Zusammenarbeit mit unserer Physiotherapie an: Lagerungstraining für den gutartigen Lagerungsschwindel. Vestibuläres Rehabilitationstraining (VRT) für peripheren und zentralen Schwindel, Training mit Neuro-Feedback (Posturography und Vertiguard) Habituationstraining für Bewegungserkrankungen

Medikamente

Therapie

Therapie

 

Medikamentenstudien

Das Schwindellabor ist Prüfzentrum für klinische Studien. An den Studien interessierte Patienten bitte unter Tel.: +49 8671 509 1829, oder per Email h.rambold©krk-aoe.de mit PD Dr. H. Rambold in Verbindung setzen.  

Aktuell nehmen wir an folgenden Multizenter-Studien teil:  

Vestibuläre Migräne
PROVEMIG Studie: Einfluss des Betablockers „Metoprolol“ auf die vestibuläre Migräne
Download: Infoflyer  

„Neuritis vestibularis:
BETAVEST Studie: Einfluss von Betahistin auf die zentrale Kompensation bei Neuritis vestibularis.
Infos unter : http://www.klinikum.uni-muenchen.de/IFB-Schwindel/de/index.html

Folgende Grundlagen-Studien werden bei uns durchgeführt:

„Screening auf seltene neurologische Erkrankungen“:
In Zusammenarbeit mit der Pädiatrie werden mittels hochauflösender Videookulographie Augenbewegungen gemessen, um seltene Erkrankungen zu identifizieren.

„Ultraschnellen Augenbewegungen in der Schwindeldiagnostik“:
Mittels hochauflösender Videookulographie werden Augenbewegungen bei ausgewählten Patienten auf die diagnostische Wertigkeit in der Schwindeldiagnostik untersucht.

Screening

Zur Person

 

Klinische Ausbildung:
  Studium der Humanmedizin an der LMU München
1998  Approbation als Arzt
2005 Facharztprüfung in Neurologie
Seit 2009 Oberarzt, seit 2014 Ltd. Oberarzt der Neurologischen Klinik des KRK Altötting Burghausen
Tätigkeiten in Schwindelambulanzen:
1996-1998 Neurologische Klinik der LMU München
1999-2009 Klink für Neurologie der Universität zu Lübeck
seit 2010 Leitung des Schwindellabors der Kreiskliniken
Vortragstätigkeiten national und international:
  Regelmäßige Vorträge und Fortbildungen zum Thema Schwindel und
Augenbewegungsstörungen
Wissenschaftliche Laufbahn:
1992-1998 Dissertation über Augenbewegungsstörungen bei Prof. Dr. U. Büttner
an der Neurologischen Klinik der LMU München
2004 Habilitation in „Klinische Neurophysiologie“ über binokulare Augenkontrolle an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Lübeck bei Prof. Dr. D. Kömpf.
2011/2013 Umhabilitation und Lehrerlaubnis in Neurologie an der medizinischen Fakultät der Universität Regensburg bei Prof. Dr. U. Bogdahn
2016 Ernennung zum außerplanmäßigen Professor für Neurologie
  Forschungsaufenthalte in den USA:
1998-1999 University of California San Francisco (UCSF)
zum Thema “Vestibuläres Lernen” bei Prof. S.G. Lisberger (gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft )
2006-2008 National Eye Institute (NIH), Bethesda zum Thema „Binokulare visuelle Stabilisation“ bei Prof. Dr. F. A. Miles (gefördert von der Alexander von Humboldt-Stiftung)
  Veröffentlichungen in internationalen und nationalen Zeitschriften zum Thema Schwindel und Augenbewegungen: ca. 50 Veröffentlichungen Kongressbeiträge: >70.
Elektrophysiologische und Neurosonologische Expertise
  Scheine der DGKN:
EEG, EMG, EP und Spezielle Neurosonologie
  Ausbilder der DGKN:
EEG , EP, EMG und Neurosonologie
Jahrelange Erfahrung in elektrophysiologischer Augenbewegungsregistrierung und Schwindeldiagnostik

Priv.–Doz.Dr.med. habil. H. Rambold

Prof. Dr. med. 
H. Rambold